Ein Kreis schließt sich: Das Pfingstseminar für Iai-jutsu in Wien 23.-25.Mai 2026

Text: Christian Steinhauser Fotos: Marcos Aray
Das Pfingstwochenende stand für unseren Verein Tosa Juku im Zeichen einer ganz besonderen Begegnung. Drei Tage lang durften wir in der Kampfsporthalle der Polizei Sport Vereinigung (PSV) Wien ein Seminar erleben, das weit über das reine Training hinausging. Es war eine Reise in die Vergangenheit, ein Moment des Gedenkens und ein kraftvoller Blick in die Zukunft.
Als Ehrengast und Lehrer leitete der renommierte Großmeister Yan de Haan (8. Dan) das Seminar.

Für mich persönlich war es ein zutiefst bewegendes Wiedersehen:
Das letzte Mal hatte ich den Sensei im Jahr 1998 an der Seite meines Vaters, Erwin Steinhauser, erlebt, bevor sich ihre Wege damals trennten. Mein Vater hatte über viele Jahre hinweg die Lehrgänge in Tulln organisiert und das Iai-jutsu im Herzen getragen. Er war zudem lange Zeit als erfolgreicher Judoka für die PSV Wien aktiv und konnte dort zahlreiche Titel erkämpfen.
Nachdem mein Vater im Jahr 2024 verstarb, schloss sich an diesem Wochenende auf wunderbare, fast magische Weise ein Kreis: Am Tag vor dem Seminar besuchte ich gemeinsam mit Yan de Haan das Baumgrab meines Vaters. Es war ein Moment der Stille, des Respekts und der Versöhnung.




Internationale Gemeinschaft und gelebte Tradition
Das Seminar selbst war getragen von einer einzigartigen Budo-Atmosphäre. Die Halle füllte sich mit Praktizierenden aus Belgien, Frankreich, der Slowakei und den Mitgliedern unseres Heimatvereins Tosa Juku. Bereits beim gemeinsamen Abendessen am Freitag spürte man die tiefe Verbundenheit, die diese internationale Gemeinschaft auszeichnet.



Auch unser jüngster Ausnahmegast aus der Slowakei, der mit seinem Lehrer angereist war, zeigte ein beeindruckendes Interesse und Disziplin an dieser alten Budo-Kunst. Ein riesiges Dankeschön gilt Doris Sensei, unserer Vereinsleiterin, die dieses Event im Hintergrund mit unermüdlichem Einsatz und Perfektion organisiert hat.


Intensive Keiko, Geschichten und ein ganz besonderes Geschenk
Die Trainingseinheiten (Keiko) forderten uns auf allen Ebenen. Yan de Haan begeisterte nicht nur durch sein unerschöpfliches Wissen und den Blick für die feinsten technischen Details des Iai-jutsu, sondern auch durch seine Geschichten.
Sie lehrten uns eine der wichtigsten Tugenden des Budo: die Geduld beim Zuhören und Verweilen im traditionellen Sitz.

Ein Highlight waren die Vorführungen, bei denen jeder Teilnehmer sein Können und sein Herz auf der Tatami zeigte.

Die Halle, die internationale Gemeinschaft und die Präsenz von Yan de Haan Sensei gaben diesem Wochenende eine unvergessliche Atmosphäre. Man fühlte in jeder Sekunde, dass die Herzen aller Anwesenden im harmonischen Einklang mit den Iai-Bewegungen waren.
Zum feierlichen Abschluss wurden nicht nur die Teilnahmeurkunden verliehen, sondern auch ein ganz besonderes Präsent überreicht: Ein Kunstwerk von Udo Feldmann, in das über 50 Stunden Handarbeit flossen – ein würdiges Geschenk für einen großen Meister.
Erwin Steinhauser wäre stolz gewesen zu sehen, dass die Flamme, die er einst entzündet hat, heute heller brennt denn je.

