Berichte und Artikel aus den verschiedenen Zeitungen

Gemeindebau-Magazin ZuHause 04/2016
Gemeindebau-Magazin ZuHause 12/2012

Kronenzeitung vom 22. März 2012
vom 15. September 2006
vom 2. April 2006
Der Wiener Erwin Steinhauser ist der erste Nicht-Japaner, der zum elitären Zirkel der Samurai in Tokio gehört. Ein- und Ansichten eines Schwertkämpfers.

von MANUELA SWOBODA

Allein, wie er sein Schwert berührt! Wie er es mit einem Tuch abwischt und mit Öl einreibt. Behutsam und zärtlich, als wär’s ein Babypopscherl.

„Das Schwert ist die Seele eines Samurai. Der Geist geht in die Klinge über. Man wird eins“, sagt er ernst. Der Samurai dringt ihm aus allen Poren, auch wenn er Erwin Steinhauser heißt und in Wien-Meidling aufgewachsen ist. Im kalten, schiachen Nachkriegswien. „Damals gab’s in Meidling richtige Kinderbanden. Die haben’s auf Schwächere wie mich abgesehen g’habt.“ Auch heute, mit 66 Jahren, ist er kein Herkules. „Ich war immer zart und eher klein – in meiner Kindheit habe ich mir geschworen, dass ich mich einmal zur Wehr setzen will.“

„Nach den Worten der Ahnen sollte man seine Entscheidung innerhalb von sieben Atemzügen treffen. Ein Krieger ist jemand, der schnell handelt.“*

So kam Erwin zu den japanischen Kampfsportarten, zum Judo und zum Iaido, der Schwertkampfkunst. Dabei wurde er gefestigt und gestärkt. In jeder Hinsicht. Und so gut, dass er als erster Nicht-Japaner in den erlauchten Kreis der Samurai in Tokio aufgenommen wurde. Erst vor kurzem ist er wieder von einem dreiwöchigen Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne zurückgekehrt, wo er bei einem Meister der Schwertkampfkunst trainieren durfte. Und wo er seinen „Jaguar“, sein 50.000-Euro-Samurai-Schwert, tanzen ließ, bis er nicht nur Schwielen an den Händen, sondern sogar an den Füßen, „vom vielen Knien“, davontrug.

Vom Heimatland der Samurai ist Steinhauser, freilich auch Präsident des österreichischen Samuraiclubs, trotzdem weiter weg als je zuvor: „Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit der japanischen Philosophie und halte die Tugenden der Samurai hoch – Mut, Respekt, sittliches Verhalten, Disziplin – aber was jetzt in Japan los ist!“

Er war dabei, als sich zwei junge Japaner bei einer Haltestelle vor einen Zug warfen. In Tokio keine Seltenheit. „Es gibt sogar Tafeln und Schilder, auf denen steht, dass sich Selbstmörder, wenn möglich, nicht zu den Hauptverkehrszeiten umbringen mögen“, schüttelt der 66-jährige Samurai den Kopf. Der wirtschaftliche Druck und das Leistungsdenken, mittlerweile so typisch für Japan wie Sushi, macht die Menschen von klein auf kaputt. „Und das im Land der Samurai!“

In Wien unterrichtet der pensionierte Tischlermeister mehrmals die Woche seine 50 Schützlinge vom Samuraiclub. Lehrt sie nicht nur, mit dem Schwert richtig umzugehen, sondern „auch mit ihrem Leben“. Denn vor allem gehe es um den „Spirit.“ Und um „die Vervollkommnung von Körper, Geist und Seele“. Nicht mehr und nicht weniger.

„Eine Person, die wenig weiß, wird versuchen, den Eindruck von Klugheit zu erwecken. Wenn jemand etwas gut kennt, wird man es ihm nicht anmerken. Solch’ eine Person ist vornehm.“

Wurde in vergangenen Jahrhunderten noch an lebendigen Körpern „vervollkommnet“, schneiden Samurai heute nur noch Strohbündel klein. An den gerollten Strohmatten, von der Dichte her mit einem menschlichen Körper vergleichbar, wird die Schlag-, Schneide- und Schwungtechnik geübt. Um letztlich, eh klar, „in eine höhere Ebene“ zu gelangen. Praktisch heißt das: „Gefahren erkennen und ihnen ausweichen, noch ehe sie da sind.“

„Wer Eigennutz und Selbstbezogenheit zum Kern seines Denkens macht, wird komplexe Zusammenhänge nicht lösen können“.

„Selbst wenn ich heute nur über eine Straße gehe, merke ich, wie die Leute mir ausweichen, mir Platz machen. Offenbar strahle ich doch eine gewisse innere Autorität aus“, lacht er. Seine Frau Christine, die er beim Judo lieben gelernt hat und mit der er dreißig Jahre verheiratet ist, schmunzelt. Naheliegende Frage: „Nervt Erwin, der Samurai, gelegentlich?“ – „Ja!“, schnauft sie, verdreht die Augen. Eine weibliche Samurai, heute in Japan gang und gäbe, hat Erwin aus ihr nicht machen können: „Das Schwert ist nichts für mich.“ Viel zu schwer, das Trumm.

„Wobei gerade Frauen elegant damit umgehen können“, weiß Steinhauser, „Männer arbeiten mit Kraft. Frauen sind viel geschmeidiger. Und Meisterinnen, wenn’s darum geht, ihre Kräfte ökonomisch einzusetzen.“ Bei den Samurai nicht anders als anderswo.

vom 2. April 2002
Die Presse

30.04.1999

Der Samurai aus der Leopoldstadt

Erwin Steinhauser ist ein pensionierter Modelltischler aus der Leopoldstadt - und der einzige Samurai Österreichs.

STADTPORTRÄT von JULIA ORTNER

Wien in den frühen 50er Jahren. Der 12jährige Junge steht vor einem Schaukasten und staunt. "Da waren zwei asiatische Kämpfer zu sehen, ganz in Weiß." So etwas hatte er im Wien der Nachkriegszeit noch nie gesehen - Erwin Steinhauser war fasziniert.
Mit diesem Erlebnis hat Herrn Steinhausers Leidenschaft für asiatische Kampfkünste begonnen. Eine Leidenschaft, durch die der gelernte Modelltischler nicht nur zum Judo-Meister ("ich habe den 5. Dan-Grad im Judo") wurde. Erwin Steinhauser ist Österreichs einziger Samurai - nach allen Regeln der japanischen Schwertkampfkunst Iaido geprüft. Und lebt mit Frau, zwei Kindern und Dackel Jimmy im Leopoldstädter Gemeindebau.
Der Weg zum Meister der asiatischen Kampfkünste ist lang und kräfteraubend. "Am Tag die harte Arbeit in der Tischlerei, abends dann noch ein paar Mal die Woche zum Judo-Training." So wird der kampfsportbegeisterte Tischler mehrmals Wiener Meister und sogar Polizei-Meister ("weil ich halt bei der Wiener Polizeisportvereinigung trainiert habe").
1970 gründet er einen eigenen Judo-Club, um sein gesammeltes Wissen an Schüler weiterzugeben. Asiatischer Kampfsport war für Erwin Steinhauser immer mehr als körperliches Training: "Es geht um die mentale Stärke, die man mit Hilfe dieser Techniken erreichen kann." Auf der Suche nach Momenten der geistigen Erleuchtung beschäftigt er sich auch mit dem Zen-Buddhismus und diversen anderen asiatischen Kampfsportarten.
So stößt Herr Steinhauser vor zwölf Jahren auf Iaido, die im 16. Jahrhundert entstandene traditionelle Schwertkampfkunst der Samurai des alten Japan. Das jahrelange Iaido-Training hat seine Persönlichkeit zum Positiven verändert - davon ist der geprüfte Schwertmeister überzeugt.

"Ich war ein Tyrann"

"Ich war früher aggressiv, ein Tyrann. Heute bin ich ausgeglichen und eins mit mir selbst." Der Samurai aus der Leopoldstadt betrachtet liebevoll seinen ganzen Stolz, ein vierhundert Jahre altes Samurai-Schwert: "Ich habe mein ,Katana' total verrostet erstanden und ein Jahr lang poliert."
Mit seinem Schwert trainiert der mittlerweile pensionierte Erwin Steinhauser täglich ein bis zwei Stunden. Freizeit kennt er kaum, er unterrichtet sieben Tage die Woche Judo und Iaido. So viel Enthusiasmus findet bei seinen Mitmenschen nicht immer Verständnis. "Viele Leute bleiben auf Distanz zu mir. Sie spüren vielleicht, daß ich etwas über den Dingen stehe. Aber sie akzeptieren meine Lebenseinstellung."
Trotz seiner Faszination für japanische Tradition war Herr Steinhauser noch nie im Land der aufgehenden Sonne - er hat auch nicht vor, jemals dorthin zu fahren. "Mein Bild vom alten Japan existiert nicht mehr. Und meine Vorstellung möchte ich mir nicht zerstören lassen: Da bleibe ich lieber in der Leopoldstadt."