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IM LAND DER AUFGEHENDEN SONNE

Am 21. November 2003 war es dann soweit. Erwin Steinhauser, seines Zeichens Vertreter der japanischen Schwertkampfkunst der Muso Jikiden-Eishin-Ryu Iai-Jutsu in Österreich, tritt mit drei seiner Meisterschüler die weite Reise nach Japan an. 
Nach dem herzlichen Empfang am Flughafen in Narita, am Samstag dem 22. November durch das Weltoberhaupt Sekiguchi Komei-Soke und den Meisterinnen Obiki und Shimizu, ging es sofort zur Sache. Im Honbu-Dojo in Tokyo wurde das erste 3-Stundentraining absolviert.

im Honbu-Dojo in Tokyo mit Soke Sekiguchi Komei
 

Am Sonntag erfolgte der Besuch des Budokan, dem Zentrum traditioneller japanischer Kampfsportarten in Japan, der Besuch des Heeresgeschichlichen Museums, in dem fantastische japanische Klingen ausgestellt sind und die Besichtigung des Jasakuni-Schreins, einer Stätte, in der des öfteren japanische traditionelle Samurai-Kampfkünste gezeigt werden.So auch an diesem Tag. Tokyo feiert heuer ein 400-Jahr Jubiläum: Vom alten Edo zum modernen Tokyo.

Yasukuni-Jinja
Yasukuni Jinja –Tokyo; zur Homepage
 

Wir hatten aber kaum Zeit, um einige der Darbietungen anzusehen unter anderem wurde „Tameshigiri“ vorgeführt.  Nach dem Besuch des Sensoji Tempels im Einkaufsviertel Asakusa in Tokyo ging es ohne viel Umstände zum nächsten 3- Stunden Training. Üben für einen Auftritt am nächsten Tag, am Rande von Tokyo, hieß es. Wir  sollen Schwert- und Naginata-Kata unter der Leitung von Fuji-Sensei und Shimizu-Sensei vorführen, so Sekiguchi-Soke. Mir war nicht ganz wohl bei der Sache, da ich wusste, das ich die Naginata-Techniken viel zu wenig geübt hatte.  

Embu in Tokyo
vom Kobudo Kyokai veranstaltetes Embu in Tokyo
 

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln trafen wir in der großen, feierlich geschmückten Halle ein. Veranstalter war die Vereinigung: „Nihon Kobudo Kyokai“. An die 30 Gruppen der verschiedensten traditionellen Ryu traten auf. Unser Auftritt war dann doch recht gut.

 
Nippon Budokan Trainingscenter
das Budokan Trainingscenter Kenshu in Katsuura; zur Homepage
 

Im Budokan Trainingscenter

Schon Dienstag brachen wir vier mit Sekiguchi Komei-Soke und der Naginata-Meisterin Shimizu Nobuko-Sensei in das Kenshu-Trainingszentrum des Budokan, nach Katsuura auf. Dieses Trainingszentrum liegt auf der Halbinsel Chiba, cirka 3 Bahnstunden von Tokyo entfernt, direkt an der Küste des Pazifischen Oze­ans. Sofort ging es wieder zur Sache; was sonst auch. Die nächste Trainingseinheit wird abgewickelt. dem Nachmittagtraining von 15 bis 18.30 Uhr und dem Abendtraining von 20 bis 21.30 Uhr. Der "Onsen", ein Heißwasserbecken, nachempfunden den heißen Quellen in Japan, lockert ein wenig Körper und Geist.

"Onsen"
 

Nach Hiroshima...

Am Samstag brechen wir nach dem Frühtraining um 9 Uhr ohne Frühstück zu dem großen Ereignis nach Miyajima, einer Insel vor Hiroshima im südlich gelegenen Japan auf. Der Shinkansen, der japanische Superzug mit seinen 285 Kilometern in der Stunde schafft diese 890 km lange Strecke glatt in knapp vier Stunden. Zum knabbern gab es dann genug während der Fahrt.

der Shinkansen
mit dem Shinkansen nach Hiroshima
 

...und Miyajima

Das Wahrzeichen der Insel, das 16 Meter hohe, zinnoberrotfarbene O-Torii (Shinto-Tor), leuchtet uns bereits entgegen.In der Zugstation leuchtet uns ein großes Bild entgegen, auf dem die Sehenswürdigkeiten von Miyajima zu sehen sind. Voller Erwartung betreten wir die Fähre, die uns auf die Insel bringen sollte. Einmal jährlich veranstaltet hier die Nihon Kobudo Kyokai das - Hono Embu Taikai -, die größte Veranstaltung dieser Art in Japan. Und heuer sollen wir dabei sein ?

das O-Tori
von der Fähre aus ist das O-Tori bereits gut zu erkennen
 

Um etwa 17 Uhr landet unsere Fähre auf der Insel Miyajima. Die frei lebenden, sehr zahmen Rehe begrüßen uns als erstes, in der Erwartung etwas Leckeres zu bekommen. Bei Temperaturen um die 20 Grad ist der lockere Empfang in freier Natur, der bereits in der Dämmerung vor dem Grand Hotel stattfand, mit gegrillten Muscheln und Getränken nach freier Wahl – vom Sake hielten wir uns sicherheitshalber fern – , eine sehr angenehme Sache.

 
das Festbankett
das traditionelle japanische Bankett für alle Embu-Teilnehmer
 

Nachdem wir unser Gemeinschaftszimmer, ausgelegt mit Tatami, und unsere hauseigene Bekleidung, Yukata und Haori erhielten, ging es zum Monsterbankett. Etwa dreihundert Teilnehmer und Leute der BBC- London nahmen auf den Tatami Platz. Jeder hatte sein eigenes kleines Tischchen, voll mit japanischen Köstlichkeiten. Zudem ist zu sagen, das wir alle überrascht waren, das die japanische Küche sehr schmackhaft ist. Nachdem alle teilnehmenden Gruppen vorgestellt waren, ging es bald zu Bett, besser gesagt zu Boden. Man schläft auf ausgerollten Futon.

Am Sonntag früh herrschte schon reges und aufgeregtes Treiben. Denn um 9 Uhr begann die große Embu, der große Auftritt der Gruppen. Als Auftakt erfolgte um 8 Uhr ein Shinto-Ritual mit Weihung durch einen Shinto-Priester. Das Warten im korrekten Seiza – Kniesitz – war beschwerlich. Nachdem der Priester jedem Teilnehmer mit seinem Wedel geweiht hatte, gab es einem Schluck Sake und jeder bekam ein Glücksymbol, Omamori genannt.
Es sind kleine Beutelchen aus Seide mit einer Aufschrift, die ihren Zweck (Gesundheit, Erfolg in Beruf oder Studium, Schutz im Straßenverkehr, oder allgemein "Schutz") beschreibt. Omamori sind dazu gedacht, ständig mitgeführt zu werden. Die japanische Jugend trägt diese Glücksbringer, oft mehrere, an ihren Hightec-Handys.


Der große Augenblick

Die Hauptattraktion der Insel Miyajima ist zweifellos der Itsukushima Schrein. Es war schon eine faszinierende Idee, einen Schrein in das Meer zu bauen. Einen eindeutigen Grund dafür kann man heute nicht mehr angeben, aber es gibt zwei mögliche Erklärungen. Zum einen ist der Schrein der Göttin des Meeres geweiht und man wollte vielleicht einen mythologischen Rygu- jo (Drachen-Palast) bauen. Oder der Schrein sollte den buddhistischen Glauben vom "reinen Land" widerspiegeln, nach dem die Seelen Verstorbener in Booten ins Gokuraku Jodo (Paradies, buddhistisches reines Land) gelangen. Was auch immer der Grund war, der Schrein bietet einen großartigen Anblick, der menschliche Kunstfertigkeit und die Natur in Harmonie verbindet.

 
der Itsukushima-Schrein
das Hauptbauwerk des Itsukushima-Schreins; zur Homepage
 

Der Hauptschrein wurde durch Feuer 1207 und 1223 beschädigt, und mit jeder Restaurierung sollen die Gebäude in Größe und Aussehen geändert worden sein. Es ist überliefert, dass der Schrein von einem Taifun im Jahre 1325 wieder stark beschädigt wurde, und die Anlage nach der anschließenden Restaurierung ihr jetziges Aussehen erhielt.Von der Kamakura-Epoche bis zur Zeit der Bürgerkriege, als die politische Situation instabil war, nahm der Einfluß des Schreins ab und er allmählich in Vergessenheit.

Als Mori Motonari 1555 den Kampf von Itsukushima gewann, kam der Schrein unter seine Kontrolle und kam wieder zu Ansehen. Toyotomi Hideyoshi besuchte während einer Reise nach Kyushu den Schrein und ordnete den Bau einer großen Bibliothek für buddhistische Sutras an. Die Takabutai (Hochbühne) befindet sich in der Mitte auf der breiten Bühne und wurde für Bugaku Aufführungen (japanischer Hoftanz) genutzt. Die Grundfläche dieser Bühne beträgt ca. 5,20 mal 6,36 Meter. Die gegenwärtige Bühne wurde 1546 (Tenbun 15) errichtet. Sie soll die kleinste Bühne für Bugaku-Aufführungen in Japan sein.
Die Hirabutai (breite Bühne) vor dem Hauptschrein mit einer Fläche von ungefähr 554 Quadratmetern hat eine lange, schmale Verlängerung bis zur Hitasaki (Frontlaterne). Diese Art Steg wurde für die Abfahrt und Ankunft der Schreingottheit während des Kangensais (Musikfest) genutzt. Die zinnoberrote Torii vorn, das blaue Meer, außerdem das bunte Laub des Gebirges, das alles gibt einen phantastischen Gegensatz. Die Anzahl der Grundsteine für die breite Bühne sowie für den Steg beläuft sich auf 239 und man sagt, dass sie alle von Mori Motonari gestiftet wurden.

Um etwa 10 Uhr tritt Erwin Steinhauser mit seinen Schülern im Hauptschrein auf. Gezeigt wurden innerhalb 8 Minuten, Kata (traditionelle Bewegungsabläufe) mit dem Samuraischwert in Synchronform. Nach dem Applaus der Japaner konnte ich erleichtert aufatmen. Es gab keine Pannen.

 

mit dem Schwert vor dem O-Tori
bei beginnender Flut vor dem O-Tori von Miyajima
 

Es war schade, das wir gleich aufbrechen mussten. Denn die Insel bietet viele Sehenswürdigkeiten. Nach einem leckeren japanischen Mittagessen aus der Plasik-Box, an der die zahmen Rehe regen Anteil nahmen, ging es gleich zur Fähre und anschließend zur Bahnstation. Der Zug brachte uns nach Hiroshima und mit dem Shinkansen ging es anschließend nach Tokyo.

 
die Rehe
alle werden von den sehr zahmen Rehen bedrängt
 

Nachdem wir unser restliches Gepäck vom Hotel geholt hatten, ging es noch am gleichen Tag zurück nach Katsuura, wo gerade ein Taifun sein Unwesen trieb. Ein Zwischenstop in Kyoto sollte uns am nächsten Tag, dem 28. November die alte Kaiserstadt näher bringen. Nachdem wir einquartiert waren, ging es in ein Original schottisches Pub, wohin uns ein aus Neuseeland stammender Kendomann einlud.
Spät am Abend waren wir noch zu einer interessanten Teezeremonie geladen. Interessant auch deshalb, weil ein eingebürgerter Kanadier, Randall V.Chanell, Soe-Sensei:
www.15-1a.com den Japanern diese alte Zeremonie der Ura-Senke lehrt. Ein wuchtiger, sehr humorvoller Mann versucht in Japan alte Traditionen hochzuhalten.

In Kyoto

Im Eilzugstempo, wie immer im heutigen Japan besuchten wir zwei Sehenswürdigkeiten. Nijo-jo, die offizielle Residenz des ersten Tokugawa Shogun Ieyasu, wenn er den Kaiser besuchte und später zum Ryoanji-Tempel. Beide Stätten gelten als Weltkulturerbe.

 
das Nijo-jo
Das Nijo-Schloß in Kyoto; zur Homepage
 

Was man erlebt haben muss, ist der originelle Nachtigallboden – Uguisu-Bari. Bei jedem Schritt ertönt es wie Vogelgezwitscher, eine Sicherheitseinrichtung, die jeden verriet, der den Palast betreten wollte. Interessant die durch lebensgroße Puppen nachgestellte Situation der damaligen Zeit. Die Anlage beansprucht eine Fäche von 275.000 qm.
7.300 qm sind davon verbaut. Ich bin sicher, in der Homepage findet man viel mehr, als man erzählen kann.

 
im Audienzsaal
der Shogun in Audienzpose; hinter den Schiebetüren die Leibgarde
 

Weiter ging es zum Ryoanji-Tempel aus dem 15.Jahrhundert, in der Rinzai-Zen ausgeübt wurde, mit dem Zen-Steingarten, der täglich neu gestaltet wird. An der Schmalseite des Hauptgebäudes kommt man an einem sanften Moosgarten vorbei.

der Eingang zur Ryoanji-Tempelanlage
der Steingarten
zur Homepage - sehr gute Seite für Sehenswürdigkeiten
 

Hinter diesem Garten findet man das bekannte „Tsukuba", das Wasserbecken für die Teezeremonie. Auf dem Stein sind reliefartig die vier Worte "ware tada shiru taru" eingemeisselt, wobei das Schrift-Viereck, welches zu jedem dieser Worte gehört, so in der Mitte platziert ist, dass es die quadratische Wasseröffnung umschließt.
 
Die Bedeutung des Satzes "ware tada shiru taru" kann etwa so umschrieben werden: "Allein ich weiß, dass ich zufrieden bin". Der Satz soll von einem Zen-Priester stammen.

 
der Brunnenstein
der Brunnenstein "Tsukuba"
 

Zen-Gärten sind ein Ort der Ruhe, Gelassenheit und Harmonie. Der Ryoanji-Tempel wurde 1473 gegründet. Der Garten wurde wegen seiner Einzigartigkeit 1994 in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen.

 
der Tempelgarten
die herrliche Gartenanlage - Ende November
 

In wunderschönen Herbstfarben präsentierten sich die berühmten Fächerahornbäume im herrlich und großzügig angelegten Garten der Tempelanlage. Die Japaner nennen den Ahorn liebevoll Momiji. Das Wort leitet sich von „Momizu“ ab, was etwa „winzige Babyhände“ bedeutet.

 

Mitglied im Nihon Kobudo Kyokai

Am Abend überreicht Sekiguchi Komei-Soke an Erwin Steinhauser als sichtbares Zeichen, das Abzeichen der Nihon Kobudo Kyokai, dem Steinhauser als erster Nichtjapaner auf Wunsch und Empfehlung von Sekiguchi-Soke beitreten durfte. Erfreulich war, das auch allen drei Meisterschülern Michael Vollkron, Alexander Wolfschütz und Christian Steinhauser, nach ihrem erfolgreichen Auftreten und hrem Durchhaltevermögen bei allen Trainingsanforderungen, diese Auszeichnung zuteil werden wird. Österreich wird in Japan nun ganz groß vertreten sein.

 
die Auszeichnung
Sekiguchi-Soke übergibt das Abzeichen der Kobudo Kyokai
 

Wieder im Trainingscenter von Katsuura

Kaum angekommen, findet schon ein drei Stunden-Training in der großen Sporthalle vom Trainings-Zentrum statt. Bis Freitag findet der gewohnte Trainingsablauf statt, unterbrochen durch den Besuch der in Sichtweite gelegenen Budo Universität. Ein dreiwöchiger Judo-Lehrgang findet gerade statt. Und jetzt kommt es. Das österreichische Nationalteam ist wie selbstverständlich hier. Auf eigene Kosten, denn der ÖJV hat kein überflüssiges Geld für derartige Eskapaden. Gespräche mit den Kämpfern, den Betreuern und dem Nationaltrainer Stollberg waren angenehm. Endlich können wir unsere Muttersprache wieder verwenden. Eine Einladung für einen Auftritt bei den österreichischen Staatsmeisterschaften erfolgt ausgerechnet 10.000 km von zu Hause entfernt.
Sachen gibt es !!

zwischen den Bauten im Hintergrund die Budouniversität; zur Homepage
 

Japan ade

Freitag, den 5. Dezember geht es nach einem eisigkalten Training von 5 bis 8 Uhr wieder nach Tokyo. Kurzer Einkaufsbummel in einem Einkaufszentrum in der Ginza, der „Kärntnerstraße“ Tokyos und selbstverständlich zu einem abschließenden Abendtraining, wobei das Dojo weit entfernt war, so das es mit dem Zug erst in eineinhalb Stunden erreicht wurde. Ein gemütlicher Abschluss bei einer Art „japanischer Würstelstand“ folgte. Wie bei uns, steht oder sitzt man aber es gibt keine Würstel , sondern ausgezeichnete Udon-Nudeln. Erstmals, seit wir in Japan sind, überwiegt Ruhe und Gemütlichkeit.

 
startklar für den Heimflug, die AUA-Maschine
 

Am nächsten Morgen heißt es um 6 Uhr aufstehen. Auf mit Sack und Pack nach Tokyo und nach Narita. Um 12.15 hebt die Maschine der AUA-Airline Richtung Wien ab. Nach einem über 12-Stunden Flug, Wien-Schwechat , Samstag, 6.Dezember 2003, Zeit 15.45 Uhr. Die Heimat hat uns wieder.

Emblem-Kobudo Kyokai
Erwin Steinhauser
im Dezember 2003